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Pressekonferenz Augsburg Toetungsdelikt Feuerwehrmann 0912019 5
(v.l.) Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg Rolf Werlitz, Polizeipräsident des Polizeipräsidium Schwaben Nord Michael Schwald, Leiter der Kriminalpolizei Gerhard Zintl und Pressesprecher des Polizeipräsidium Schwaben Nord Michael Jakob. Foto: Mario Obeser

Augsburg: Videoüberwachung und gute Polizeiarbeit führten zum schellen Erfolg

Nach dem Tötungsdelikt am 06.12.2019 in Augsburg, bei dem ein 49-jähriger Mann einen tödlichen Schlag von einem Mann aus einer Gruppe heraus versetzt bekam, informierte die Polizei nun in Form einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Ermittlungen.
Nach dem Besuch des Christkindlesmarktes waren zwei befreundete Ehepaare in Richtung des Königsplatzes unterwegs. Dieser wird durch derzeit 15 Videokameras seit Ende vergangenen Jahres überwacht, wobei auch eine Aufzeichnung stattfindet. Darauf ist zu erkennen, dass das Ehepaar und die Gruppe nicht direkt, sondern in einem spitzen Winkel aufeinander zuliefen. Auf den Videos ist zu sehen, dass zuerst wohl Worte gewechselt wurden und, nachdem sich die Wege kreuzten und die Gruppe und das spätere Opfer bereits einige Meter voneinander entfernt waren, der 49-Jährige nochmals umdrehte und auf die Gruppe zuging. Dort war er dann mit einer Person der Gruppe wohl im Wortwechel, die anderen jungen Männer umringten ihn als er unvermittelt mit Wucht einen Schlag von dem 17-jährigen Verdächtigen, der als Haupttäter gilt, seitlich auf den Kopf abgekommen hatte. Dieser eine Schlag war so heftig, dass er für den 49-Jährigen, der Mitglied bei der Berufsfeuerwehr Augsburg ist, tödlich endete. Die Gruppe wendete sich ab und ging auf den 50-Jährigen zu, der dem Niedergeschlagenen zur Hilfe kommen wollte. Auch dieser wurde attackiert und im Gesicht schwer verletzt. Diese Handlung war um 22.40 Uhr und dauerte wohl keine 30 Sekunden. Die Personen liefen anschließend davon.

Königsplatz Augsburg Streit Tödlich 06122019

Foto: Bruder

Um 22.43 Uhr, so Polizeipräsident des Polizeipräsidium Schwaben Nord bei der Pressekonferenz am heutigen Montag, ging der erste Notruf ein. Eine Minute später, um 22.44 Uhr meldete dann bereits die erste Polizeistreife der Polizeiinspektion Augsburg Mitte eintreffen am Tatort. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen der Streifenbesatzung konnte der 49-Jährige nicht mehr gerettet werden. Die Polizei leitete zeitnah eine so genannte Tatortbereichsfahndung ein. Es waren rasch zahlreiche Polizeikräfte in den Einsatz zur Beweissicherung, Fahndung und Ermittlungsarbeit eingebunden.

Zeugenhinweise ließen keinen Schluss auf die Nationalität zu
Noch am Abend und in der Nacht bildete sich eine etwa 20-köpfigen Gruppe, die dann am Samstagmorgen zu einer Ermittlungsgruppe formiert wurde. Es lagen einige Zeugenhinweise vor, die in teilweise völlige unterschiedliche Richtungen ging, was die mögliche Nationalität anging. Die Gesichter der Täter waren nicht in der gewünschten Qualität vorhanden. Die Polizei hat dann über interne Systeme und Beamten, die sich mit jugendtypischen Straftaten befassen und auch viele Jugendliche in Augsburg kennen, das vorhandene Material gesichtet und ausgewertet und war sich dann sicher, die Täter ermitteln zu können, weshalb auch keine Öffentlichkeitsfahndung gestartet wurde. Bei einer Veröffentlichung von Bildmaterial läuft man große Gefahr, dass die Täter Beweismaterial vernichten könnten, oder, da die Nationalität noch nicht bekannt war, sich diese auch absetzen. Durch Ermittlungen auch in Clubs wurden dann letztlich Namen bekannt und hier kam auch ein Hinweis auf den letztlichen Haupttäter.

 

Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am 09.12.2019, 14.30 Uhr, konnten bereits gegen fünf der sieben Tatverdächtigen Haftbefehle beim Amtsgericht Augsburg erwirkt werden, teile der Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg Rolf Werlitz mit. Dem 17-jährigen Haupttäter wird seitens der Staatsanwaltschaft ‚Totschlag‘ und ‚Gefährliche Körperverletzung‘ vorgeworfen, den weiteren sechs Personen ‚Beihilfe zum Totschlag‘ und ‚Gemeinschaftlich begangener gefährliche Körperverletzung‘. Einige der Personen sind bereits Polizeibekannt, aber nicht alle. Zwei davon hatten mit der Polizei bereits wegen Körperverletzungsdelikten zu tun. Alle Personen der Gruppe wurden in Augsburg geboren. Sechs davon besitzen unter anderem die deutsche Staatsangehörigkeit, eine Person besitzt die Italienische Staatsangehörigkeit. Fünf besitzen zudem die türkische Staatsangehörigkeit, oder dessen Eltern. Eine Person ist zudem noch libanesischer Staatsangehöriger. Alle Personen kennen sich mehr oder weniger Lange weiß der Leiter der Kripo Augsburg Gerhard Zintl zu berichten. Alkohol bei den Tatverdächtigen im Spiel war, konnte nach der vergangenen Zeit nichts gesagt werden. Ob andere Drogen eine Rolle spielten, wollte man nicht sagen.

Videoüberfachung spielte eine Schlüsselrolle bei der Aufklärung
Zum schnellen Ermittlungserflog gratulierten auch der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann und Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl. Dem kann man sich nur anschließen. Die Festnahme aller Tatverdächtigen, wovon sich einer mit seinem Anwalt stellte, innerhalb drei Tagen ist ein großer Erfolg, bei dem die Videoüberwachung eine Schlüsselrolle spielte.

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft hatte zu einem deutschlandweiten Traueraufruf und Beileidsbekundungen aufgerufen. Es soll am Montagabend eine um 18.00 Uhr eine Kerze vor den Feuerwehrhäusern und Rettungswachen aufgestellt werden als Zeichen für Zusammenhalt, Wertschätzung und Respekt. Zahlreiche Blaulichtorganisationen beteiligten sich an der Aktion und hielten inne.

 

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