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Archivfoto: Mario Obeser

Künftiger Fernverkehrshalt am Bahnhof Günzburg – Politik und Oberbürgermeister machen Druck auf die Bahn

In die von der Deutschen Bahn ausgelösten Irritationen um den künftigen Fernverkehrshalt am Bahnhof Günzburg haben sich nun auch wieder die hiesigen CSU-Abgeordneten Dr. Georg Nüßlein und Alfred Sauter eingeschaltet. Auch Günzburgs Oberbürgermeistrer Gerhard Jauernig (SPD) fordert Klarheit.

In einem Brandbrief an Klaus-Dieter Josel, den Konzernbevollmächtigten der Bahn für den Freistaat Bayern, haben sich die CSU-Politiker „irritiert“ darüber gezeigt, dass die Bahn in einer Broschüre erneut mit dem Gedanken spiele, Fernverkehrszüge, also ICEs, Inter City- und Euro-City-Züge, künftig nicht mehr am heutigen Bahnhof Günzburg halten zu lassen, sondern an einem neuen Haltepunkt außerhalb des Stadtgebiets.

„Das würde nichts anderes bedeuten als den Fernverkehrshalt de facto aus dem Stadtgebiet von Günzburg heraus zu verlegen. Es ist den Bürgern von Günzburg nicht vermittelbar, warum sie dann einen Anschlusszug an „ihren“ weitab gelegenen Fernverkehrszugang nehmen müssten. Das wäre nicht nur ein zeitlicher Verlust und ein arges Erschwernis für mobilitätseingeschränkte Personen wie Senioren, Eltern mit Kindern oder Gehbehinderte. Auch umwelt- und klimaschutzpolitisch wäre dieser Umweg kaum vermittelbar“, so Nüßlein und Sauter in einer Pressemitteilung.

In ihrem Brief an den Bahn-Bevollmächtigten Josel verweisen die Abgeordneten auf entsprechende schriftliche Zusicherungen des Bundesverkehrsministeriums, dass die Fernzüge auch nach dem Ausbau der Bahntrasse Augsburg – Ulm am heutigen Bahnhof Günzburg halten werden – und zwar stündlich. So zitieren Nüßlein und Sauter aus einer Stellungnahme des Ministeriums von 2017 wie folgt: „Dieser Zielfahrplan 2030 sieht einen stündlichen Fernzughalt in beiden Fahrtrichtungen am gegenwärtigen Bahnhof Günzburg vor. Der Bahnhof Günzburg wird nach diesen Plänen im Jahr 2030 damit doppelt so häufig wie heute vom Fernverkehr bedient. Gegenüber der heute nur zweistündlichen Bedienung des Bahnhofs im Fernverkehr bedeutet dies eine Verdoppelung der Fernverkehrsverbindungen, die durch den Bau der Neubaustrecke aufgrund der höheren Streckenkapazität und kürzeren Fahrzeiten ermöglicht wird. Ein Fernzughalt an einer Neubaustrecke im Bereich des Legolands ist aufgrund der aus der Region geäußerten Wünsche für den BVWP 2030 verworfen worden.“

Am Schluss ihres Briefs an den Bahn-Manager bitten Nüßlein und Sauter mit Nachdruck „um Ihren persönlichen Einsatz dafür, dass der im BVWP garantierte, einstündige Fernverkehrshalt Günzburg unstreitig am heutigen Bahnhof Günzburg erfolgen wird“. Und weiter: „Wir sind irritiert über diese Gedankenspiele der Deutschen Bahn, die wir ein für alle Mal eingestellt glaubten, nachdem nicht nur wir im Einklang mit den betroffenen Kommunalpolitikern, sondern auch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr sowie das Bundesverkehrsministerium wiederholt klargemacht hatten, dass der Fernverkehrshalt am jetzigen Bahnhof Günzburg erfolgen muss, nicht außerhalb der Stadt“, so der Appell der CSU-Politiker weiter. Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen, ging der Brief in Kopie auch gleich an Bundesverkehrsminister Scheuer und Staatsminister Dr. Reichhart.

Die beiden Abgeordneten sagten zu, den Druck auf die Deutsche Bahn aufrechtzuerhalten, „bis diese Phantom-Debatte seitens der Bahn endgültig beendet wird“.

Auch der Günzburger Oberbürgermeister Gerhard Jauernig macht sich stark
Eine zukunftsfähige Weiterentwicklung des Bundesverkehrswegeplanes darf nach Auffassung von OB Jauernig nicht allein auf die Bemühungen reduziert werden, die großen Metropolen zeitlich noch enger zu verbinden. Für die Akzeptanz und die Inanspruchnahme des Bahnangebotes sei es vielmehr wichtig, die Zugänglichkeit und die Erreichbarkeit der DB für mögliche Bahnkunden über innerstädtische Haltestellen zu garantieren und zu sichern, so der OB. Gerade die aktuelle Diskussion zur Weiterentwicklung des ÖPNV gebietet dies, so Jauernig. In dem in der Broschüre aufgeführten Gedanken entfernt die DB sich jedoch in Windeseile von den politisch erkämpften Vorgaben des Bundesverkehrswegeplans und dem Ziel, das Oberzentrum Günzburg-Leipheim über den Günzburger Bahnhof an das Fernverkehrsnetz anzubinden.

Nach den erneut aufgetretenen Irritationen fordert der OB eine kurzfristige Stellungnahme der Deutschen Bahn und hat den Leiter des Bahnprojektes Ulm/Augsburg bereits eingeladen, im Günzburger Stadtrat hierzu Rede und Antwort zu stehen. Zugleich weist der OB darauf hin, dass die örtlichen Mandatsträger aus Bund und Land parteiübergreifend das Ziel der Stadt unterstützen, den Fernhaltepunkt auch für die Zukunft innerstädtisch abzusichern.

In einer ersten Stellungnahme hat der Leiter des Bahnprojektes Ulm/Augsburg gegenüber dem Oberbürgermeister der Stadt Günzburg per E-Mail bereits reagiert. Darin führt Markus Baumann wie folgt aus:

  • Der Fernverkehrshalt Günzburg ist fest verankert im BVWP und im Projekt. Es ist nicht geplant, die Fernverkehrshalte einzuschränken, sondern genau das Gegenteil ist vorgesehen! Statt den bisher 2-stündlichen Haltefrequenzen je Richtung im Fernverkehr, sieht der Bund zukünftig einen Halt pro Stunde und Richtung in Günzburg vor. Dies bedeutet eine Verdoppelung des heutigen Angebots!
  • Es ist kein neuer Fernverkehrsbahnhof in oder um Günzburg herum vorgesehen.  Der Fernverkehr wird – genauso wie bisher – am Bahnhof Günzburg halten. Hier ist keine Änderung vorgesehen oder geplant.
  • Zukünftiger Trassenverlauf
    Die heutige, zweigleisige Bestandsstrecke bleibt im vollen Umfang erhalten und steht insbesondere für eine Stärkung des Nahverkehrs zur Verfügung. Wo die zukünftigen – zusätzlichen – Fernverkehrsgleise liegen werden, können wir heute noch nicht sagen. Als Projektziel wurde eine Fahrzeit im Fernverkehr – ohne Zwischenhalt – von 27 Minuten zwischen Ulm und Augsburg vom Bund definiert. An diesem Projektziel müssen sich alle möglichen Trassenvarianten messen lassen.
    Dies bedeutet, dass wir auch Trassen betrachten werden, die nicht durch den Bahnhof Günzburg führen, sondern nördlich oder südlich vom Stadtgebiet Günzburg.

    Trotzdem bleibt die Aussage zum Fernverkehr in Günzburg weiterhin bestehen und gültig.

OB fordert Klarheit
Unabhängig von der ersten Reaktion des DB-Projektleiters gegenüber dem Oberbürgermeister gilt es, in diesem, für die Stadt Günzburg und dem Oberzentrum bedeutenden Anliegen, schnellstmöglich durch die Bahn gegenüber der Politik und Kommune Klarheit zu schaffen, erklärt Gerhard Jauernig.

 

 

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