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Symbolfoto: ronniechua - Fotolia

Betrug am Telefon durch angebliche Microsoft-Mitarbeiter

Präventionsbeitrag der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle der Kriminalpolizeiinspektion Dillingen zum Betrug angeblicher Microsoft-Mitarbeiter.

Wer wäre denn nicht dankbar, wenn er, noch bevor er ein Problem mit seinem PC überhaupt erkannt hat bzw. bevor gar ein Problem mit dem PC eingetreten ist, von einem Microsoft-Mitarbeiter angerufen und auf das Problem aufmerksam gemacht würde? Wer würde sich nicht über eine verlängerte Garantie freuen?

Aber Stopp! Welches Interesse sollte denn Microsoft daran haben, dass Ihr PC läuft? Welches Interesse sollte Microsoft haben, dass Ihr PC virenfrei ist? Welchen Vorteil hätte Microsoft davon, Ihren PC zu reparieren und per Fernwartung zu aktualisieren oder gar die Garantie zu verlängern?

Genau – keinen! Deshalb ruft auch kein echter Mitarbeiter von Microsoft bei Ihnen an, sondern nur ein Betrüger. Genauso wie Sie auch nicht vom Hersteller Ihres Kühlschranks angerufen und gefragt werden, ob dieser noch richtig funktioniert.

„Tech Support Scam“
Was sich am Telefon zunächst nach einem guten Service anhört, ist in Wahrheit nichts anderes als eine dreiste Betrugsmasche, genannt „Tech Support Scam“. Damit fischen die Täter Zugangsdaten ab, erlangen Kontodaten oder installieren entsprechende Software auf den Computern, um sich finanziell zu bereichern.

Betrüger per Fernzugriff
Die meist englischsprachigen Anrufer geben sich als angebliche Microsoft-Support-Mitarbeiter aus. Sie weisen ihre Opfer darauf hin, dass auf ihrem PC ein Virenbefall mit Schadsoftware erkannt worden ist bzw. ein Totalausfall des Betriebssystems des Opfer-Rechners unmittelbar bevorstehe. Gegen eine Bezahlung bieten die Täter dann die Reparatur und eine Fernwartung des PCs sowie eine teilweise lebenslange Softwaregarantie an. Dazu sollen die Opfer unter genauer Anleitung ein entsprechendes Programm von einer Internetseite herunterladen und auf dem PC installieren. Dieses soll den angeblichen Microsoft-Mitarbeitern dann ermöglichen, aus der Ferne auf den Computer zuzugreifen und den bestehenden Schaden zu reparieren. Dabei wird teilweise sogar ein Bild des Täters am Bildschirm angezeigt. Glaubt der Windows-Nutzer der Geschichte, nimmt das Unheil seinen Lauf und der Geschädigte selbst installiert so die Schadsoftware eigenhändig auf seinem Rechner.

Der große Vorteil aus Sicht des Betrügers dabei ist, dass er gar keinen fremden PC hacken oder entsprechende Passwörter herausfinden muss. Das Opfer selbst gestattet ihm den Zugriff auf den PC und ermöglicht somit, Manipulationen daran vorzunehmen! Der Täter nutzt diesen Umstand natürlich aus, um sensible Daten wie Passwörter, Bank- und Kreditkartendaten auszuspähen und anderweitig zu nutzen oder den Computer zu sperren und anschließend Geld zu fordern, um den Rechner wieder freizugeben.

Die Masche ist also sehr simpel und alles andere als neu. Bereits seit dem Jahr 2014 bekommen Verbraucher immer wieder Anrufe von falschen Microsoft-Mitarbeitern. Im laufenden Jahr 2020 kamen bei der Kriminalpolizei Dillingen bereits 40 solcher Fälle zur Anzeige und das ist mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs! Denn die Dunkelziffer ist in diesem Bereich sehr hoch. Teils weil die Geschädigten unter Umständen gar nicht realisieren, dass sie Betrügern aufgesessen sind, teils weil sie sich schämen, deswegen bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Die Schadenssummen dabei liegen meist zwischen 80 und 300 Euro, können aber auch, wie in einem Fall der Kripo Dillingen mit 3.500 Euro, deutlich höher liegen.

Das Geld wieder zu bekommen ist im Übrigen so gut wie aussichtslos. Denn die Zugriffe erfolgen überwiegend aus ausländischen Callcentern und die Täter sind mit ihrer Beute nicht greifbar. Entschädigung durch die Bank kann an dieser Stelle typischerweise auch nicht erfolgen, denn der Geschädigte hat die Überweisungen durch Freigabe der TAN ja selbst autorisiert.

Die Kriminalpolizei Dillingen rät daher:

  • Jeder sollte misstrauisch sein, wenn er von einem angeblichen Mitarbeiter eines IT-Supports angerufen wird. Lassen Sie sich erst gar nicht auf solche Gespräche ein.
  • Microsoft schickt weder unaufgefordert E-Mails noch ruft Microsoft Kunden an, um auf Fehler hinzuweisen.
  • Erwerben oder installieren Sie keine Fremdsoftware auf Aufforderung eines Ihnen Unbekannten auf Ihrem Computer, Tablet oder Smartphone.
  • Fremdzugriff auf Ihren PC sollten Sie nur Personen gewähren, die Sie kennen und eigeninitiativ selbst beauftragt haben.
  • Seien Sie geizig mit Ihren persönlichen Daten.
  • Lassen Sie sich nicht zu Zahlungen, auch nicht per paysafe card o.ä., überreden und geben Sie keinesfalls Kreditkartennummern oder sonstige bankrelevanten Daten heraus.
  • Lassen Sie sich nicht von der Drohung, dass Ihre Windows-Version gelöscht wird, beeinflussen.
  • Haben Sie bereits mit einem angeblichen Support-Mitarbeiter gesprochen, kann es sein, dass Schadsoftware auf Ihrem Computer installiert wurde. Trennen Sie Ihren PC vom Netz und lassen Sie ihn von einem Experten überprüfen. Ändern Sie alle Passwörter und Zugangsdaten – vor allem Zugänge zu E-Mail-Konten, Online-Banking und Online-Shops.
  • Sind Sie betroffen, melden Sie den Fall der Polizei.
  • Weitere Informationen zu diesem und vielen anderen Themen finden Sie unter: www.polizei-beratung.de.
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