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Drehleiter der Feuerwehr Ichenhausen.

Gemeinsame Übung: Dachstuhlbrand im Pflegeheim in Günzburg

Besondere Objekte verlangen einen disziplinierten Einsatzablauf und -taktik. Am vergangenem Freitag startete in Günzburg um 18 Uhr eine Übung, an der mehrere Feuerwehren, die Kreisfeuerwehrinspektion, mehrere Organisationen des Rettungsdienstes und die Polizei beteiligt waren. Das dieser Abend noch zu einer kleinen Herausforderung der Einsatzkräfte wurde, konnten die Verantwortlichen nicht planen.

Während sich die Kräfte an ihren Standorten sammelten und sich vorbereiteten, wurde ein realer Alarm ausgelöst. Um 17:20 Uhr löste die automatische Brandmeldeanlage der Innovation Küche & Bad, in der Tulpenstraße in Günzburg, aus. Sofort eilten Fahrzeuge der Feuerwehr Günzburg, der Polizei und des Rettungsdienstes dorthin. Nach kurzer Erkundung erwies sich dieser Einsatz als Fehlalarm. Ein Rauchmelder hatte wohl durch Wasserdampf ausgelöst. Dann ging es wieder zurück zum Standort.

Einer der Übungsleiter, 2. Kommandant der Feuerwehr Günzburg und Stadtbrandmeister Achim Senser, fand sich dann am Übungsobjekt im Alten- und Pflegeheim Heiliggeist-Spitalstiftung in der Wagnergasse in Günzburg ein. Weiterer Übungsleiter, Feuerwehr- und Notarzt, Marc-Michael Ventzke sowie der 1. Kommandant und Stadtbrandinspektor Christian Eisele warteten am Feuerwehrgerätehaus auf ihren Abruf über Funk, was die Alarmierung darstellte.

Los ging es mit einer angenommenen Auslösung der Brandmeldeanlage über den Rauchmelder 16/2 im 2. OG. Es rückten zwei Rettungswagen, ein Notarzt, der Einsatzleiter Rettungsdienst und drei Fahrzeuge der Feuerwehr Günzburg, u.a. die Drehleiter, an.

Plötzlich lässt ein Funkspruch die Kräfte hellhörig werden. Die Integrierte Leitstelle Donau-Iller funkte „Funkstille für Alarmierung“. Mehrere Schleifen (so genannte 5-Ton-Folgen) waren zu hören und schon piepsten die Funkmelder von Achim Senser und Christian Eisele. In Deffingen heulte die Sirene. In der Alois-Mengele-Str./Legolandallee ereignete sich ein Verkehrsunfall (wir berichten) zwischen zwei Fahrzeugen. Ein realer Einsatz. Eisele und Senser einigten sich nach kurzer Abklärung, dass sie erstmal nicht zum Verkehrsunfall fahren und die Feuerwehr Deffingen dies alleine machen kann. Einzig der Notarzt Ventzke und zwei Rettungswagen eilten zur Unfallstelle. Die Übung konnte also fast nach Plan weiterlaufen. Wenig später musste Senser dann doch noch zum Unfall.

Gemeinsame Übung: Dachstuhlbrand im PflegeheimEin Rettungswagen und der Einsatzleiter Rettungsdienst waren die Ersten und stellten sich in der Schlachthausstraße auf, um den nachrückenden Kräften nicht die schmale Wagnergasse zu blockieren. Das erste Fahrzeug der Feuerwehr Günzburg fuhr die ersten Meter in die Gasse, die anderen warteten in der Schlachthausstraße. Es wurde zunächst erkundet, welcher Melder ausgelöst hatte. Ein Angriffstrupp, der sich bereits mit Pressluftatmern ausgerüstet hatte, ging mit entsprechenden Plänen zum ausgelösten Melder im 2. OG. Nun bekamen sie über Funk mitgeteilt, dass sie dort einen ausgedehnten Dachstuhlbrand vorfinden. Daraufhin wurde die Alarmstufe erhöht und damit eine ganze Reihe von weiteren Kräften nachgefordert. Gemeinsame Übung: Dachstuhlbrand im PflegeheimDies waren unter anderem weitere Fahrzeuge der Feuerwehr Günzburg, jeweils ein Fahrzeug der Feuerwehren Leinheim und Denzingen und die Drehleiter mit Begleitfahrzeug aus Ichenhausen. Die Einsatzleitung Rettungsdienst hatte simuliert einen MANV 2 alarmieren zu lassen, was ein Massenanfall von Verletzten bedeuten mit 100 Betroffenen. Ebenso vier Sanitätseinsatzgruppen (SEG) Transport für den Pendelverkehr zu Ersatzunterkünften, eine SEG Behandlung zur Sichtung der Geretteten, den Kriseninterventionsdienst und die SEG Betreuung, sowie zwei Versorgungsplätze. Eine der großen Herausforderungen stellten die beengten Platzverhältnisse dar.

img_8778Schnell teilte die Übungsleitung Abschnittsleiter ein. Im Eingangsbereich saßen drei Jungs von der Jugendfeuerwehr, die Verletzte mimten und Symptome einer Rauchgasvergiftung zeigten.
Bei den Mitarbeiterinnen wurde die Anzahl der im Gebäude befindlichen Bewohner abgefragt, die derzeit 81 beträgt. Die Einsatzleitung der Feuerwehr und des Rettungsdienstes stellten sich auf dem Grieß, nahe der Günzbrücke, auf.

Es gab viele Punkte, auf die genau geschaut wurde. Wird der richtige Melder gefunden, reichen die Bereitstellungsräume zu Aufstellung der nachrückenden Einsatzkräfte aus, sind die Aufstellflächen und Zufahrten ausreichend, wird die Löschwasserversorgung sinnvoll hergestellt und ist ein Abtransport der Bewohner und Verletzten geordnet möglich.

Gemeinsame Übung: Dachstuhlbrand im Pflegeheim

Besprechung und Abstimmung. Foto: Mario Obeser

Alle Verantwortlichen trafen sich zur Besprechung um die Lange abzustimmen und vereinbarten zu einer bestimmten Uhrzeit eine erneute Zusammenkunft, um die Lange erneut abzustimmen.

Beim Übungsende fand ein gemeinsamer Austausch statt um den Ablauf und beurteilen und Schwachstellen aufzudecken. Alles lief relativ geordnet ab. Zeigte aber auch auf, dass bei einem solchen Brand die alarmierten zwei Löschzüge, die zwei Drehleitern, 20 Atemschutzgeräteträger und 4000 Liter Löschwasser nicht lange ausreichen würden. Auch der Rettungsdienst stößt hier rasch an Grenzen, die nur durch schnelle und gezielte Nachforderung von Kräften zu bewältigen sind. Die Mitarbeiter des Heimes müssen sofort Listen ausdrucken aus denen hervor geht, wie viele Personen im Gebäude sind. Bedenkt man, dass 81 Bewohner auf der Liste standen, von denen nicht einmal 10% alleine laufen können, sieht man schnell den hohen Bedarf an Kräften, die die Betroffenen dann größtenteils aus dem Gebäude tragen oder schieben müssen. Die Atemschutzgeräteträger müssen in voller Ausrüstung mehrmals in den 2. Stock eilen um dort immer wieder Menschen über das Treppenhaus zu retten, was eine erhebliche Belastung bedeutet. Kreisbrandinspektor Albert Müller erkannte schnell: „Wenn wir viele Bewohner über die Fenster retten müssten, wäre das ein Fiasko.“

Für Heimleiterin Gabriele Kunze war interessant zu sehen, wie die eigenen Mitarbeiter reagieren, was die Einsatzkräfte benötigen und wie der mögliche Ablauf sich darstellt. Sie lobte die Einsatzkräfte und bedankte sich für den gemeinsamen Erfahrungsaustausch.

Solche organisationsübergreifenden Übungen an schwierigen Objekten laufen selten reibungslos ab und geben wichtige Diskussionspunkte die dann wertvoll für den Ernstfall sind.

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