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v.l.n.r. Kriminalrat Jürgen Schweizer, Ingebort Hauf, Erster Polizeihauptkommissar Stefan Müller. Foto: Polizei

Günzburgerin für couragiertes Verhalten geehrt

Eine 76-jährige Günzburgerin erhielt für ihr couragiertes Verhalten, welches einem Enkeltrickbetrüger das Handwerk legte, am 03.05.2016 eine Ehrung.
Am 07.04.2016 wurde ein Enkeltrickbetrüger in Günzburg festgenommen (wir berichteten). Der 31-jährige Tatverdächtigte hatte mit Komplizen versucht, an das Geld einer älteren Dame zu kommen. Ganz offensichtlich hatten die Verbrecher jedoch nicht mit dem umsichtigen und überaus couragierten Verhalten der Seniorin gerechnet. Sie durchschaute die Enkeltrickmasche einer Anruferin und ging zum Schein und für die Täter offenbar absolut glaubwürdig auf die Geldforderung ein. Die resolute Günzburgerin spielte letztlich bis zur vermeintlichen Geldübergabe das „Opfer“ und verschaffte der Polizei die notwendige Zeit, um den 31-jährigen Tatverdächtigen in der Nähe der Wohnung der Frau festnehmen zu können.

Am gestrigen Dienstag sprachen Kriminalrat Jürgen Schweizer, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm und Erster Polizeihauptkommissar Stefan Müller, Leiter der Polizeiinspektion Günzburg der vorbildlichen Zeugin Inge Hauf Dank und Anerkennung aus. Bei einem ungezwungenen Gespräch in den Räumen der Polizeiinspektion Günzburg wurden nochmals Details des Tatablaufes, aber auch Empfindungen und Ängste der Zeugin besprochen. Auf ausdrückliche Zustimmung stieß dabei der Wunsch der Polizei, den Fall nochmals zur Kriminalprävention heranzuziehen; den Vorfall zu nutzen, um die perfide Vorgehensweise der Täter aufzuzeigen und für das richtige Verhalten der potentiellen Opfer zu werben.

Ingeborg Hauf reagierte an diesem Tag absolut richtig. Sie durchschaute sehr schnell die Masche einer Anruferin, die sich nicht mit Namen meldete, aber auf Frage des Opfers nach ihrem Namen mit dem typischen Satz begann: „Erkennst Du mich denn nicht“.

Unbedarfte Opfer tappen dabei schnell in die Falle und fragen zurück „Bist Du denn der oder die..?“ und nennen den Namen des oder der Verwandten, für den sie den Anrufer halten. Der Täter oder die Täterin bejahen, geben sich als diese Person aus und bauen anschließend eine Art Vertrauensverhältnis auf. Am Ende stehen Geldübergaben in nicht selten 5-stelliger Höhe.

Nicht so bei der wachsamen Günzburgerin Ingeborg Hauf: Sie ging zum Schein auf die Anruferin ein und erklärte sich letztendlich bereit, 14.000 Euro von der Bank abzuheben und später zu übergeben. Sie verständigte sofort die Polizei und ihren Sohn. Es folgten mehrere Stunden, in denen die Zeugin von den Tätern permanent am Telefon gehalten wurde, um zu verhindern, dass sie sich Rat holen oder die Polizei verständigen kann. Insgesamt suchten die Täter in wechselnder Zusammensetzung fast 40-mal Kontakt und gaben sich als Enkelin, Banker und Notar aus, um die Geldtransaktion schlüssig und vermeintlich risikolos darzustellen. Inge Hauf spielte, unterstützt durch ihren Sohn und durch Polizeibeamte, die sie längst betreuten, das unbedarfte Opfer. Rund vier Stunden nach dem ersten Anruf klickten schließlich bei der vereinbarten Geldübergabe die Handschellen. Der 31-jährige Tatverdächtige erwartet im Gefängnis seinen Prozess. Gegen die Mittäter und Hintermänner ermittelt die Kripo Neu-Ulm. Erste Spuren führen die Ermittler nach Polen.

Tipps und Hinweise der Polizei zum Enkeltrick

  • Überlegen Sie sich, ob und wie Sie Ihre Telefonnummer ins Telefonbuch eintragen lassen; Verzichten Sie auf ausgeschriebene Vornamen, denn Täter suchen gezielt nach Vornamen, die früher verwendet wurden
  • Seien Sie wachsam bei Anrufern, die ihren Namen nicht sofort nennen
  • Die Floskel „erkennst Du mich denn nicht“ oder ähnlich muss Sie alarmieren
  • Stellen Sie Fragen, die nur tatsächliche Familienangehörige richtig beantworten können
  • Geben Sie keine Auskünfte über Barvermögen im Hause oder auf Ihren Konten
  • Lassen Sie sich von den Anrufern eine Telefonnummer für einen Rückruf geben
  • Fragen Sie sich, warum ein angeblicher Verwandter nicht selbst vorbeikommt und sie um das Geld bittet
  • Geben Sie kein Geld an unbekannte Personen heraus/Überweisen Sie niemals Geld auf unbekannte Konten
  • Folgen Sie nicht der Aufforderung, zur Bank zu gehen, um Geld abzuheben. Sie müssen davon ausgehen, dass Sie beobachtet werden
  • Merken Sie sich möglichst viele Details: Geschlecht des Anrufers, Stimmlage, Akzent, Anrufer-Telefonnummer
  • Halten Sie umgehend Rücksprache in der Familie
  • Scheuen Sie sich nicht, einfach aufzulegen
  • Informieren Sie über den Notruf 110 Ihre Polizei

Kriminalrat Jürgen Schweizer rät zudem:

„Mit diesen Tipps lassen sich derartige Straftaten und vor allem der Eintritt eines Schadens verhindern. Informieren Sie trotzdem Ihre Polizeiinspektion über den Fall. Erfahrungsgemäß erfolgt bei einem Abbruch des Telefonates durch das vermeintliche Opfer kein Folgeanruf mehr. Wenn doch, nehmen Sie kein Telefongespräch eines unbekannten Anrufers an diesem Tag mehr an.
Wenn Sie sich aber, ähnlich wie Frau Hauf, mental in der Lage sehen, über mehrere Stunden dem Druck einer solchen Situation Stand zu halten, gehen Sie zum Schein auf den Anrufer ein. Stellen Sie das Geld in Aussicht, erklären aber, es bei Ihrer Bank besorgen zu müssen. Verneinen Sie die Frage, ob Sie ein Handy haben und nutzen Sie das Handy für Ihren Kontakt zur Polizei und Verwandten. Rufen Sie nach dem ersten Gespräch sofort die 110. Sie werden an einen kompetenten Ansprechpartner vermittelt und erhalten möglichst rasch eine persönliche Betreuung vor Ort. Versuchen Sie nicht selbst, den/die Täter in eine Falle zu locken, ohne das Vorgehen mit der Polizei abgesprochen zu haben.“





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