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Vorstellung des Feuerwehrbedarfsplan der Verwaltungsgemeinschaft Ichenhausen. Foto: Mario Obeser

Feuerwehrbedarfsplan: Handlungsbedarf bei den Feuerwehren in der VG Ichenhausen

Zur Vorstellung des vom Stadtrat Ichenhausen, der Marktgemeinderat Waldstetten, und des Gemeinderates Ellzee gemeinsam in Auftrag gegebene Feuerwehrbedarfplan, versammelten sich am 29.09.2016 die Stadt- und Gemeinderäte, sowie die Feuerwehren der Verwaltungsgemeinschaft Ichenhausen und weitere Gäste in der Friedrich-Jahn-Halle in Ichenhausen. Robert Strobel, Ichenhausens Bürgermeister, der durch die gemeinsame öffentliche Stadt- Gemeinde- und Marktgemeinderatssitzung führte, eröffnete mit den anwesenden Karl Schlosser, Bürgermeister der Gemeinde Ellzee und dem Bürgermeister der Marktgemeinde Waldstetten Michael Kusch, die Sitzung.

Mehr als 100-seitiger Feuerwehredarfsplan erstellt
Die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ichenhausen ließ vom Büro Luelf & Rinke einen Feuerwehrbedarfsplan erstellen. Vom beauftragten Büro war Dipl.-Betriebswirt Thomas C. Raible gekommen, der in 120 Minuten die Ergebnisse nach der mehr als 1-jährigen Erstellungszeit – des über 100-seitigen Gutachtens, präsentierte. Der Bedarfsplan wurde in intensiver Zusammenarbeit mit der dafür gebildeten Projektgruppe, mit der auch Zwischenergebnisse besprochen wurden, erstellt.

Eines wurde während der Vorstellung klar: Es kommen große Aufgaben auf die VG zu, die es nicht nur finanziell zu stemmen gilt.
„Beim Erstellen des Gutachtens wurde das Gefahrenpotenzial und das Einsatzgeschehen in der VG analysiert, um daraus ein Schutzziel zu definieren“, so Raible. Anhand dieses Schutzzieles wurde dann erarbeitet, was an Schutz tatsächlich nötig ist und was zum Erreichen dessen getan werden muss. Nach der Aufnahme der IST-Situation kann dann ein SOLL-Konzept erarbeitet werden.

10 Freiwillige Feuerwehren im Bereich der VG Ichenhausen
Der Brandschutz der VG Ichenhausen wird derzeit von sechs freiwilligen Feuerwehren im Bereich der Stadt Ichenhausen (Ichenhausen, Hochwang, Deubach, Oxenbronn, Autenried und Rieden), drei Freiwillige Feuerwehren im Bereich der Gemeinde Ellzee (Ellzee, Stoffenried und Hausen) und der Freiwillige Feuerwehr des Marktes Waldstetten, sichergestellt. Dazu gibt es noch eine Betriebsfeuerwehr, bei der Fa. Bucher in Waldstetten.

In Bayern muss eine gesetzliche Hilfsfrist von 10 Minuten eingehalten werden. Dies ist die Zeit, die zwischen einem Notruf, bis zum Eintreffen der ersten Feuerwehr max. vergehen darf. Dabei rechnet man 2 Minuten für den Disponenten in der Leitstelle, der den Notruf entgegennimmt und schließlich die Alarmierung vornimmt. Somit verbleiben für die Feuerwehr 8 Minuten. In dieser Zeit muss z.B. der Feuerwehrmann nachts aus dem Bett, sich anziehen, ins Gerätehaus fahren, sich ausrüsten und an die Einsatzstelle fahren. Innerhalb weiterer 5 Minuten müssen dann weitere alarmierte Feuerwehrkräfte an der Einsatzörtlichkeit eintreffen. Diese Zeit kann derzeit in der VG durch die Standortstruktur weitgehend eingehalten. Lediglich bei der Feuerwehr Waldstetten traten, wegen Personalmangel, teils wesentlich längere Zeiten auf.

Schlechte Noten für viele Feuerwehrhäuser
Von den insgesamt 10 Feuerwehrgerätehäusern konnten im Gutachten nur die Gerätehäuser in Waldstetten und Hochwang mit gut bis sehr gut bewertet werden. In der Kernstadt Ichenhausen reichen die Stellplätze nicht mehr aus, so muss derzeit bereits ein Fahrzeug außerhalb abgestellt werden. Es fehlen wichtige Komponenten wie z.B. eine Abgasabsauganlage und ein Drucklufterhaltungssystem. Auch die Gerätehäuser der anderen Wehren erhalten die Note ausreichend bis ungenügend.

Bedarfsplan sieht die Feuerwehr derzeit nur als beringt Leistungsfähig
Auch das Personal stellt ein großes Problem dar. So sieht das Gutachten bei der Personalverfügbarkeit dringenden Handlungsbedarf, besonders was die Tagesalarmverfügbarkeit angeht. So ist derzeit, aus planerischer Sicht, werktags tagsüber der Brandschutz personell nur in der Kernstadt, sowie den Ortsteilen Autenried und Deubach sichergestellt. Ebenso in Stoffenried. Kritisch sieht es bei den Ichenhausener Ortsteilen Hochwang, Oxenbronn, Rieden, sowie in Ellzee, Hausen und Waldstetten aus. Diese Feuerwehren sind werktags tagsüber, aufgrund Personalmangels und/oder unzureichender Ausbildung, rein planerisch nicht in der Lage, ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Somit kann für die VG Ichenhausen nur von einer bedingt leistungsfähigen Feuerwehr gemäß dem Bayerischen Feuerwehrgesetz gesprochen werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Gutachten. Diese Lage relativiert sich etwas, da beispielsweise Schichtarbeiter tagsüber als nicht Verfügbar gezählt wurden.

Vom Einsatzgeschehen wurde im Gutachten für die Jahre 2010 bis 2014 im Schnitt 176 Einsätze pro Jahr für die 10 Feuerwehren ermittelt. Im Jahr 2014 waren es im Detail 106 Einsätze für die Kernstadt Feuerwehr. Werktags tagsüber lag die Einsatzwahrscheinlichkeit gegenüber den Nacht- und Wochenendzeiten, bei 65%. Bei zeitkritischen Einsätzen liegt die Zahl bei 80%. Von zeitkritischen Einsätzen spricht man, wenn z.B. bei einem Verkehrsunfall eine Person eingeklemmt ist, oder bei einem Brand eine Person in Gefahr ist. Hier ist schnellstes Handeln der Kräfte gefordert. Die Aussage dieser Daten unterstreicht, wie wichtig eine schlagkräftige Feuerwehr gerade Tagsüber ist.

Bedarfsplan bemängelt geringe Anzahl an Atemschutzgeräteträger
Weiter sind in allen Feuerwehren zu wenige ausgebildete Atemschutzgeräteträger vorhanden. Hier steht die Kernstadt noch gut da, aber in den Ortsteilen und Gemeinden besteht unbedingt Handlungsbedarf. So beträgt der prozentuale Anteil der Atemschutzgeräteträger, im Verhältnis zur Zahl der Aktiven Feuerwehrangehörigen, in Ichenhausen 66%, in Hochwang 27%, in Rieden 24%, in Autenried 19%, in Oxenbronn 3% und in Deubach 0%. Auch Maschinisten und Führungskräfte sind teilweise nicht, oder zu wenige tagsüber vorhanden.

Hauptberufliche Mitarbeiter gibt es bei der Feuerwehr in der VG Ichenhausen nur bei der Kernstadt Ichenhausen. Der 1. Kommandant der Feuerwehr Ichenhausen, Ralf Berchtold, ist zu 50% bei der Stadt beschäftigt. Die Wartung, Instandsetzung, Prüfung und Pflege der Fahrzeuge und Gerätschaften erfolgt noch rein ehrenamtlich.

Im Gutachten werden einige Maßnahmen aufgeführt, wie der nach dem Bedarfsplan erforderliche Soll-Zustand erreicht werden kann. Hierzu zählt die Entwicklung eines Konzeptes zur dauerhaften Mitgliederwerbung, die Anhebung des Ausbildungsstandes, das Einbinden von Pendlern – die in die Ortschaften von auswärts kommen, das Erhöhen des Frauenanteils und weitere Punkte, die dem Personalproblem Entspannung verleihen sollen.

Geht es im Feuerwehrbedarfsplan nach dem Soll-Konzept, sind personell und finanziell einige Investitionen in den kommenden 5 Jahren zu stemmen. Dies ist der im Bedarfsplan empfohlene Zeitraum, in denen die genannten Maßnahmen erfüllt werden sollten.

Dieses Soll-Konzept wurde im Austausch mit der Verwaltung und der Kommandanten erarbeitet, um ein Konzept in Richtung des Machbaren zu entwickeln.
Eine Erweiterung um drei weitere Stellplätze des Feuerwehrhauses in Ichenhausen ist dringend notwendig. Hier muss ein Architekt prüfen, ob die Platzverhältnisse dies zulassen, oder über einen Neubau an einem neuen Standort nachgedacht werden muss. Für die Ersatzbauten der Gerätehäuser in Ellzee und Oxenbronn, laufen bereits Planungen.

Zusammenlegung von Standorten sinnvoll?
In zwei Bereichen in der Verwaltungsgemeinschaft wird angeregt darüber nachzudenken, ob Feuerwehren nicht zusammengelegt werden könnten. Dies ist der Bereich Hausen und Stoffenried, wo eventuell zwischen den beiden Standorten ein Gerätehaus positioniert werden könnte. Gleiches gilt für Hochwang und Deubach, schon aufgrund der geografisch nahen Lage. Diese Ausführungen basieren auf langfristige Überlegungen, die derzeit nicht weiter geprüft wurden.

Neben den Gebäuden sollen – geht es nach dem Bedarfsplan – auch Fahrzeuge ersetzt werden. Heute ist lediglich in Ichenhausen ein wasserführendes Fahrzeug vorhanden. Der Bedarfsplan sieht für die Kernstadt ein Hilfslöschfahrzeug (HLF) 20 und eine Logistikkomponente (Versorgungs-LKW oder Gerätewagen Logistik 2) vor. An den Standorten Hochwang, Ellzee und Stoffenried, sieht der Plan je ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSF-W) vor. Ein Löschfahrzeug (LF) 20 KatS könnte man bei der Feuerwehr Waldstetten positionieren. Ein derartiges Fahrzeug fehlt derzeit noch im der VG. Aber auch ein TSF-W wäre dort denkbar.

Pendler als Lösungskomponente für den Kräftemangel tagsüber
Der gesellschaftliche Wandel macht es der Feuerwehr schwer, neue Mitglieder zu bekommen. Der beim IST-Zustand bemängelte Personalmangel muss entschärft werden. Nach dem Gesetz ist es möglich, dass ein Feuerwehrangehöriger in zwei Wehren Mitglied sein darf. Würde man Pendler, die an ihrem Wohnort bei einer Feuerwehr sind, auch an den Orten ihrer Arbeitsstellen für die örtliche Wehr gewinnen, könnte sich die Lage tagsüber entsprechend entspannen. Hier ist man dann wieder auf die Arbeitgeber angewiesen, die die Leute dann auch zu Einsätzen freistellen müssen. Auch „Klinkenputzen“ könnte eine Möglichkeit sein, um an neue Mitglieder zu kommen. Weiter stellt die Gewinnung Jugendlicher ein stetiger Prozess dar. Raible regte an, dass Gemeinden und Feuerwehren gemeinsam ein Konzept entwickeln sollen, wie Mitglieder akquiriert werden können.

Weiter muss im Bereich der Ausbildung gehandelt werden. Auch wenn es in einigen Wehren noch keine Atemschutzgeräte gibt, ist im Sinne der gegenseitigen Unterstützung und in die Zukunft blickend, die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger essenziell, gibt das Gutachten zu bedenken. Ebenso wird angeregt, bei der Stadt Ichenhausen einen Einsatzleiter vom Dienst (EvD) mit mind. Zugführer-Qualifikation zu installieren, der bei allen Einsätzen in der Kernstadt und den Stadtteilen mitalarmiert werden soll. Dies entkräftet den Mangel an Führungskräften zu Tageszeiten in den Stadtteilen. Als federführender Kommandant wird hier der 1. Kommandant der Kernstadt-Feuerwehr vorgeschlagen.
Die bisherige ehrenamtliche Wartung der Geräte stößt mittelfristig an eine Grenze, an der über eine hauptberufliche Stelle eines Gerätewartes nachgedacht werden sollte.

Aktive Fuerwehrkräfte bei Einstellungen bevorzugen?
Bei der Einstellung von Mitarbeitern, bei der Stadt und der Verwaltung, könnte ein Auswahlkriterium auch eine Mitgliedschaft bei der Feuerwehr sein. Dies regte Raible als eine Komtonente von möglichen Lösungen an.

Raible sieht, nach dem erstellten Bedarfsplan, auch bei der Alarmierungssoftware ELDIS der Leitstelle, weiterentwicklungsbedarf. Das System basiert auf die Alarmierung von Einsatzmittel, nicht nach verfügbaren Kräften. Dies wird als nicht optimal angesehen, da oft das verfügbare Personal und weniger die Einsatzmittel das Problem darstellen.

Die Präsentation des Feuerwehrbedarfsplanes durch Herrn Raible erfolgte ohne Einwände der Anwesenden. Angebotene Fragemöglichkeiten blieben ungenutzt.

„Wir haben damit nun einen Plan, von einem externen Fachmann erstellt, an den wir uns halten können. Damit können wir auch Kritikern, die an der Notwendigkeit von Investitionen, die von den Feuerwehren beantragt werden, und die in der Vergangenheit so manches Mal nur lapidar abgetan wurden -“Na was die Feuerwehr bloß wieder will.” – diesen Fachplan entgegen halten“, so Ellzees Bürgermeister Karl Schlosser.

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v.l.n.r. Karl Schlosser (Bürgermeister Ellzee), Michael Kusch (Bürgermeister Waldstetten), Dipl.-Betriebsw. Thomas C. Raibler (Büro Luelf & Rinke), Robert Strobel (Bürgermeister Ichenhausen), Hans-Joachim Hoffmann (Stadtrat und Feuerwehrreferent), Roman Geppert (Sachgebietsleiter öffentliche Sicherheit und Ordnung, Landratsamt), Robert Spiller (Kreisbrandrat) Foto: Mario Obeser

Für gute Zusammenarbeit gedankt
Strobel, dankte den Kommandanten und Stellvertretenden Kommandanten im VG-Gebiet, sowie der Kreisbrandinspektion und dem Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landratsamtes, für die Mitarbeit bei der Bedarfsplanerstellung. Er betonte, dass es der gemeinsamen Anstrengungen der Feuerwehren, der Kommunalparlamente und der VG-Verwaltung bedarf, die vom Fachbüro aufgezeigten Maßnahmen “Schritt für Schritt” umzusetzen. Weiter berichtete er von einem Gespräch, zwischen einem Stadtratsmitglied und ihm. Hier hieß es „Eigentlich wussten wir die meisten Dinge schon“, worauf Strobel antwortete, „Ja, wir wussten es, aber nicht alle glaubten es“.

Bedarfsplan muss in den Kommunalparlamenten besprochen werden
In den drei Kommunalparlamenten wird nun in den nächsten Monaten die Ausführungen des Bedarfsplanes diskutiert, um zu ermitteln, was in welcher Zeit sinnvoll und nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der drei Kommunen umgesetzt werden kann. Im Gegensatz zu den Kommandanten hatten viele Stadtratsmitglieder den Bedarfsplan an diesem Abend zum ersten Mal gesehen. „Die Richtung, in die wir gehen müssen, kennen wir jetzt”, so Strobel.

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