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Symbolfoto: Mario Obeser

Verkehrsunfallstatistik 2016 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Im Bereich der Polizeipräsidium Schwaben Süd/West stieg die Anzahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Personen in 2016 auf 73. Ein Anstieg um 23 tödlich Verletzte. Anzahl der Verletzten blieb auf etwa gleichem Niveau.
Die Beamtinnen und Beamten mussten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West im Jahr 2016 durchschnittlich 73 Verkehrsunfälle pro Tag aufnehmen. Das Unfallgeschehen verlief dabei von einfach gelagerten Blechschäden bis hin zu komplexen Verkehrsunfällen mit schwerverletzten und getöteten Personen. Insgesamt wurden im Vorjahresvergleich nahezu gleichbleibend viele Verkehrsunfälle mit fast derselben Anzahl an Verletzten verzeichnet. Allerdings ist die Zahl der tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmer von 50 auf 73 gestiegen.

Die Gesamtzahl der durch die Polizei registrierten Verkehrsunfälle stieg entsprechend dem Zehnjahrestrend an. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ist mit 1,5 % sehr gering.

Gesamtunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums:

Gesamtunfälle PP Schwaben Sued-West 2016

Quelle: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Leider stieg die Zahl der Unfälle mit Todesfolge von 49 auf 66, die dadurch getöteten Verkehrsteilnehmer von 50 auf 73 deutlich an; in den Jahren 2012 bis 2015 lag diese Zahl kontinuierlich zwischen 48 und 50. Der langfristige Trend zeigt dennoch nach unten; der Mittelwert der vergangenen zehn Jahre liegt bei 60 Todesopfern pro Jahr. Trotz intensiver Analyse konnte keine belastbare Erklärung für diese deutliche Zunahme erkannt werden. Ein Grund könnte allerdings in der zunehmenden Unaufmerksamkeit liegen, auf die in der Folgeseite näher eingegangen wird.

Anzahl der im Straßenverkehr Verstorbenen:

Verstorben PP Schwaben Sued-West 2016

Quelle: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Während die Anzahl der verstorbenen Pkw-Insassen entgegen dem Trend von 14 auf 33 deutlich zunahm, reduzierte sich der Wert bei den Kradfahrern von 17 auf 14 und nähert sich damit wieder vorsichtig den niedrigeren Zahlen vergangenen Jahre. Besorgniserregend ist auch die Steigerung der verstorbenen Fußgänger, die den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahren erreichte.

Todesopfer im Straßenverkehr nach Fortbewegungsart geschlüsselt:

Getötete nach Fortbewegungsart PP Schwaben Sued-West 2016

Quelle: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Der Altersdurchschnitt der Verkehrstoten lag im vergangenen Jahr bei rund 49 Jahren. Knapp 40 % aller Unfalltoten waren über 60 Jahre alt. Ein Rückschluss auf das Alter der Verursacher kann dadurch aber nicht gezogen werden.

Unaufmerksamkeit ist ein Poblem
Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West sieht die Anzahl der im Straßenverkehr Verstorbenen mit großer Sorge. Nachdem sich bereits zur Jahresmitte des vergangenen Jahres diese tragische Tendenz abzeichnete, wurden alle bis dahin tödlich verlaufenden Verkehrsunfälle nochmals analysiert. Es zeigte sich, dass häufig das Verlassen der Fahrspur und die folgende Kollision mit dem Gegenverkehr oder einem Hindernis am Fahrbahnrand unfallursächlich waren. Ein örtlicher Schwerpunkt oder ursächliche Auffälligkeiten konnten nicht festgestellt werden. Wieso es deshalb ganz konkret zum Verlassen der Fahrspur kam, kann im Nachgang nicht mehr belegt werden; in nicht wenigen Fällen wird allerdings die Unaufmerksamkeit des Fahrzeugführers als Grund vermutet.

Polizeipräsident Werner Strößner fordert jeden Verkehrsteilnehmers auf, sich auf das Verkehrsgeschehen zu konzentrieren. „Es darf nicht sein, dass sich Fahrzeugführer während der Fahrt mehr mit dem Multimediasystem, dem Navigationsgerät oder dem Smartphone beschäftigen als mit den Geschehnissen im Straßenverkehr. Momente der Unaufmerksamkeit können dramatische Folgen haben.

Ich appelliere an alle Verkehrsteilnehmer, diese Geräte während der Fahrt nicht zu bedienen, sondern sich mit dieser unterschätzten Gefahr auseinander zu setzen. Durch die Polizei wird diesbezüglich viel Aufklärungsarbeit geleistet und festgestellte Verstöße konsequent verfolgt. Die wichtigste Prävention ist aber die Einsicht eines Jeden, sich im Straßenverkehr nicht ablenken zu lassen und mit der gebotenen Aufmerksamkeit daran teilzunehmen. Jedem muss das erhebliche Gefahrenpotenzial bewusst sein“, hebt der Polizeipräsident hervor.

Ergänzend fügt Peter Kaiser, Sachbereichsleiter Verkehr, hinzu: „Für die Polizei stellt die Unaufmerksamkeit am Steuer ein großes Problem dar. Ablenkung durch angeregte Gespräche oder verkehrsfremde Tätigkeiten lassen sich kaum kontrollieren. Eine sichere Verkehrsteilnahme erfordert eine konzentrierte Beobachtung des Verkehrs. Nur so können eigene Fehler vermieden und auf Fehlverhalten anderer rechtzeitig reagiert werden. Dieses Problem stellt einen deutlichen Schwerpunkt im Rahmen unserer Verkehrsaufklärung dar.“

Aus diesem Grund werden die Beamtinnen und Beamten des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West bei Informationsveranstaltungen und Verkehrskontrollen weiterhin auf die Gefahr der Unaufmerksamkeit hinweisen und auf das hohe Gefahrenpotenzial sensibilisieren.

Zahl der Verletzten knapp unter dem Vorjahres-Niveau
Die Zahl der durch Unfälle verletzten Verkehrsteilnehmer liegt mit 5.687 Personen unter dem Niveau des Vorjahres. Ein Rückgang um 0,3 Prozent konnte verzeichnet werden. Dieser Stand – der bis 2003 noch bei deutlich über 6.000 verletzten Personen lag – hat sich in dieser Größenordnung stabilisiert. Während sich weiterhin weniger Motorradfahrer Verletzungen zuzogen, steigt die Zahl der verletzten Fahrradfahrer seit Jahren kontinuierlich an. Dies liegt auch daran, dass sich das Radfahren als umweltfreundliche Alternative zunehmender Beliebtheit erfreut.

Verletzte Verkehrsteilnehmer nach Fortbewegungsart geschlüsselt:

Verletzte nach Fortbewegungsart – PP Schwaben Sued-West 2016

Quelle: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Hauptunfallursachen am Anteil der Gesamtunfallzahl

  • Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren 23,0 %
  • Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot 12,5 %
  • Vorfahrtsverletzung 13,4 %
  • Missachtung des Sicherheitsabstandes 9,4 %
  • Nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit 8,9 %
  • Fehler beim Überholen 4,9 %
  • Alkohol- und/ oder Drogeneinfluss 2,6 %

Die vorgenannten Fehler stellen die belegten Unfallursachen dar. Es liegt nahe, dass sie in Verbindung mit anderen und nicht eindeutig bewiesenen Faktoren – wie eben der Unachtsamkeit im Straßenverkehr – stehen und in Kombination ursächlich für schwere Verkehrsunfälle waren.

Der ausgewiesenen Ursache Geschwindigkeit beispielsweise liegen jene Unfälle zugrunde, die unmittelbar aus überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit resultieren. Bei einer Vielzahl von Ereignissen die unter anderen Ursachen eingestuft sind, dürfte die Fahrgeschwindigkeit für die Entstehung des Schadenseintritts mit verantwortlich gewesen sein.

Regionale Entwicklung in den Landkreisen und kreisfreien Städten

Regionaler Anteil an der Gesamtunfallzahl

Regionale Verteilung Unfälle – PP Schwaben Sued-West 2016

Quelle: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Regionale prozentuale Entwicklung

  • Landkreis Günzburg -3,0 % -110 Verkehrsunfälle
  • Landkreis Lindau -0,4 % -8 Verkehrsunfälle
  • Landkreis Neu-Ulm +4,7 % +244 Verkehrsunfälle
  • Landkreis Oberallgäu +3,5 % +136 Verkehrsunfälle
  • Landkreis Ostallgäu +3,7 % +126 Verkehrsunfälle
  • Landkreis Unterallgäu +7,9 % +257 Verkehrsunfälle
  • Stadt Kaufbeuren -2,9 % +32 Verkehrsunfälle
  • Stadt Kempten -12,6 % -338 Verkehrsunfälle
  • Stadt Memmingen +3,9 % +60 Verkehrsunfälle

Weitere Eckdaten

  • Die sogenannten Kleinunfälle, bei denen keine qualifizierte Unfallaufnahme erfolgt und kein Bußgeldverfahren eingeleitet wird, stellt mit über 55 % den überwiegenden Teil der Gesamtzahl aller polizeilich erfassten Unfälle.
  • Es ereigneten sich 3.943 Wildunfälle, die rund 15 % am Gesamtunfallaufkommen betragen.
  • 2016 ereigneten sich – wie in den Vorjahren auch – die meisten Verkehrsunfälle mit tödlicher Folge außerhalb geschlossener Ortschaften. Von den 55 Verkehrstoten außerhalb geschlossener Ortschaften verstarben die meisten auf Bundes-, Staats- und Kreis-, sowie anderen Ortsverbindungsstraßen. 9 Personen verstarben bei Unfällen auf der Autobahn.
  • Bei rund jedem sechsten Verkehrsunfall entzog sich einer der Beteiligten der Verantwortung und verließ die Unfallstelle unberechtigt. In jedem dieser Fälle wurde ein Strafverfahren eingeleitet; die Polizei verzeichnete hier eine Aufklärungsquote von über 40 %. Bei den Verkehrsunfällen mit Unfallflucht wurden 302 Personen verletzt.
  • Bei 329 Alkoholunfällen wurden 201 Personen verletzt und 5 getötet. Bei 32 Unfällen unter dem Einfluss von Drogen oder Medikamenten erlitten 16 Personen Verletzungen und 1 Person verstarb.
  • Die größte Wahrscheinlichkeit in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden ist an den Wochentagen Donnerstag und Freitag in der Zeit des abendlichen Berufsverkehrs zwischen 16 und 19 Uhr gegeben. Außerdem haben Witterungs- und Straßenverhältnisse einen wesentlichen Einfluss auf das Verkehrsunfallaufkommen. Schneefälle und Laub bilden eine zusätzliche Gefahr, welche oft zu einem deutlich erhöhten Unfallaufkommen führen.
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