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Petry: „Ich werde im Bundestag nicht allein bleiben“

Die bisherige AfD-Vorsitzende Frauke Petry glaubt, dass sie nicht lange Einzelabgeordnete im Bundestag bleiben wird.
„Ich bin sicher: Ich werde im Bundestag nicht allein bleiben“, sagte Petry „Zeit-Online“. Im Bundestag werde eine parlamentarische Gruppe entstehen.

„Wir werden Anträge einbringen, wir werden diskutieren. Wir mĂĽssen unsere knappe Redezeit sehr gezielt nutzen und dazu Ă–ffentlichkeit herstellen“, so Petry. DafĂĽr mĂĽsse man keine Fraktion sein.

Angesprochen auf ihr neues politisches Vorhaben sagte sie: „FĂĽr das neue Projekt fĂĽhren wir aktuell vor allem Gespräche auĂźerhalb der AfD, da diese sich leider vieler Zugänge zu interessanten Wählergruppen selbst beraubt hat.“ Weiter sagte sie: „Ich halte die Hinwendung zu einem Ethnopatriotismus, wie ich ihn innerhalb der AfD wachsen sehe, fĂĽr nicht zielfĂĽhrend, sondern möchte mich stattdessen fĂĽr einen europäischen Kulturpatriotismus stark machen.“ Einen Teil der AfD-Programmatik wollen sie und ihre Mitstreiter ĂĽbernehmen: „Wir sind gegen illegale Migration, die die europäische Kultur unterminiert.“

Und: „Bei der Islamkritik werden wir bleiben.“ Auf die Frage, welche Form ihr neues Projekt habe, verwies Petry auf die Entwicklungen in Frankreich und Ă–sterreich. „Die groĂźen Parteien sind viel zu unflexibel, dagegen haben Projekte wie `En Marche!` von Emmanuel Macron in Frankreich oder die de facto Ă–VP-Kaperung durch den Ă–sterreicher Sebastian Kurz strategische Vorteile“, sagte sie.

Die Politik brauche externe Leistungsträger, wie es Sie auf den Landeslisten der Parteien nicht gebe. „Man braucht BĂĽrgerlisten, freie Listen – kommunal geht das ja schon. Damit gewinnt man Leute fĂĽr sich, die der Politik nicht ihr ganzes Leben widmen wollen, nach dem Motto: KreiĂźsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Man bringt stattdessen Menschen fĂĽr ein bestimmtes Projekt eine Zeit lang zusammen – zum Beispiel fĂĽr eine Steuerreform, fĂĽr Migrationsbewältigung, Europa – ohne dass sie sich dafĂĽr erst mĂĽhsam in einer Parteihierarchie nach oben kämpfen mĂĽssen.“ Die scheidende AfD-Bundesvorsitzende wies den Vorwurf zurĂĽck, sie habe ihren Co-Sprecher Jörg Meuthen und die Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland mit ihrem unangekĂĽndigten RĂĽckzug gezielt beschädigen wollen. „Wenn es mir um das Persönliche gegangen wäre, hätte ich einige der internen Vorgänge aus der AfD-Spitze der vergangenen Monate öffentlich gemacht“, sagte Petry „Zeit-Online“. Zutage getreten sei am Morgen nach der Wahl in Berlin „letztlich nur etwas, ĂĽber das ich seit einem Jahr unter MĂĽhen geschwiegen habe“. Sie beklagte, parteiintern seien ihre UnterstĂĽtzer jetzt Repressalien ausgesetzt: „Es tut weh dabei zuzusehen, wie Mitglieder verbal gejagt werden – um Alexander Gauland zu zitieren – die sich jetzt nicht sofort von mir lossagen, die den Kontakt halten, die ĂĽber unsere AusstiegsgrĂĽnde auch nur differenziert nachdenken wollen.“ Zu ihrem AfD-Austritt sagte Petry: „Ich habe seit Langem wieder das GefĂĽhl, ich selbst zu sein. Ich muss nicht mehr öffentlich Positionen von AfD-Repräsentanten als Vorsitzende verteidigen, die ich selbst fĂĽr problematisch halte.“ (dts Nachrichtenagentur)

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