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Kind spielt
Das Überprüfen des kindlichen Hörvermögens ist eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe - gerade bei Kleinkindern, die noch nicht sprechen können. Copyright: www.biha.de - Fotograf: Olaf Malzahn

Unbemerkte Stille: Pädakustiker lassen Kinder wieder hören

Die Worte der Mama, das Klappern der Rassel, das Hupen des Autos. Rund 500.000 Kinder sind in Deutschland nicht in der Lage, Stimmen zu verstehen oder Alltagsgeräusche wahrzunehmen.
Sie sind schwerhörig. Hörakustiker, die speziell für das kindliche Gehör ausgebildet wurden, in der Fachsprache „Pädakustiker“ genannt, passen moderne Hörsysteme bei den kleinsten Patienten an. Sie sorgen dafür, dass schwerhörige Kinder die Chance haben, sich altersgerecht zu entwickeln. Denn ein gut funktionierender Hörsinn ist wichtig für die Entwicklung der Sprache, für das Lernen und für die Ausbildung sozialen Verhaltens.

Hörbeeinträchtigungen sind die häufigste Sinnesbehinderung bei Kindern, betroffen sind zwei bis drei Neugeborene von 1.000. 50 Prozent aller kindlichen Hörstörungen werden jedoch erst nach dem ersten Lebensjahr entdeckt, wenn nämlich das heiß ersehnte „Mama“ oder „Papa“ ausbleibt, weil sich aufgrund einer Hörschwäche die Lautsprache nicht entwickelt. Der Hörsinn ist jedoch essentiell für die Entwicklung des Kindes und für das Erlernen der Sprache. Wenn das Kind gut hört, kann es verschiedene Laute einfach voneinander unterscheiden, richtig zuordnen und wiedergeben. Gerade im Säuglings- und Kindesalter, wenn grundlegende kommunikative und soziale Fähigkeiten des Menschen angelegt werden, ist jeder Monat kostbar und eine Früherkennung wichtig. Hier hilft die Versorgung mit einem Hörsystem – möglich ist das bereits bei wenige Wochen alten Säuglingen.

Seit 2009 wird bei jedem Neugeborenen bereits in den ersten Tagen nach der Geburt ein Hörscreening gemacht. „Eltern sind gut beraten trotz des ersten Hörtests in den folgenden Monaten aufmerksam zu beobachten, ob ihr Kind möglicherweise beim Hören beeinträchtigt ist. Auch postnatal, durch Neugeborenengelbsucht, Virusinfektionen wie Mumps oder Masern, oder durch eine Mittelohrentzündung kann das Gehör von Babys und Kleinkindern geschädigt werden. „Wer das Gefühl hat, sein Kind reagiert nicht auf laute Geräusche, hört nicht gut, da es regelmäßig Worte wie ‚Dose‘ und ‚Hose‘ verwechselt, Silben verschluckt, auf Zurufe oder leise Ansprachen nicht reagiert, Konzentrationsschwierigkeiten hat oder sich zurückzieht, tut gut daran, das Hörvermögen seines Kindes von einem Experten, zum Beispiel von einem Pädakustiker, überprüfen zu lassen“, so Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) und selbst Pädakustikerin.

In Deutschland gibt es rund 1.000 speziell für das kindliche Gehör ausgebildete Pädakustiker. Sie werden u. a. am Campus Hörakustik in Lübeck ausgebildet. Die weltweit einzigartige Bildungseinrichtung verfügt über einen speziellen Fortbildungslehrgang der Hörakustik zur Kinderversorgung. Pädakustiker verfügen über fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten rund um das kindliche Ohr und das kindliche Hören. Neben der Erfahrung spielt auch das Einfühlungsvermögen bei den kleinen Patienten eine besonders wichtige Rolle, denn das Überprüfen des Hörvermögens eines Kindes – gerade bei Kleinkindern, die selbst noch nicht sprechen können – ist eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe. Liegt eine Hörminderung vor, kann eine fachgerechte digitale Hörsystemversorgung die Schwerhörigkeit ausgleichen. Nicht nur die kleinen Patienten werden umfassend versorgt. Auch die Eltern müssen in den Dialog eingebunden werden, um die Anpassung der Hörsysteme und das Hörverständnis bestmöglich beobachten und bewerten zu können.

Weitere Tipps und Informationen zu Hörsystemen und gutem Hören sind auch auf der Plattform www.richtig-gut-hoeren.de zu finden. Initiator der Webseite ist die Bundesinnung der Hörakustiker (biha). Das Büchlein „Emil entdeckt die Welt der Töne“ der biha richtet sich gezielt an Kinder und klärt kindgerecht über das Thema Schwerhörigkeit auf. Es ist kostenlos bei der biha erhältlich.

Hintergrund zum Hörakustiker-Handwerk
In Deutschland gibt es etwa 5,4 Millionen Menschen mit einer indizierten Schwerhörigkeit, Tendenz steigend. Schwerhörigkeit zählt zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen. Mit etwa 6.400 Hörakustiker-Betrieben und ca. 15.000 Hörakustikern versorgt das Hörakustiker-Handwerk etwa 3,5 Millionen Menschen in Deutschland mit qualitativ hochwertigen, volldigitalen Hörsystemen. Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) KdöR vertritt die Interessen der Hörakustiker in Deutschland.

Neben der Erstversorgung des Kunden ist der Hörakustiker auch für die begleitende Feinanpassung mit wiederholten Überprüfungen und Nachstellungen der Hörsystemfunktionen zuständig. Daneben organisiert er – wenn der gesetzliche Anspruch besteht – die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenversicherungen und steht für Wartung und Reparaturen der Hörsysteme bis zu einem gewissen Grad zur Verfügung.

Darüber hinaus berät er zu Gehörschutz und speziellem technischem Zubehör. Der Hörakustiker verfügt über theoretisches Wissen aus der Akustik, Audiologie, Psychologie und Hörsystemtechnik und über praktische Fertigkeiten zur Audiometrie.

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