Blitzmarathon 2022 – Die Bilanz in Bayern und in der Region
Blitzmarathon 2022 – Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner zieht Bilanz: Deutlich mehr Verkehrssünder als im Vorjahr – Autofahrer 110 Stundenkilometer zu schnell – Immer noch viel zu viele zu schnell unterwegs
Beim neunten Bayerischen 24-Stunden-Blitzmarathon vom 24. März, 06.00 Uhr, bis zum 25. März 2022, 06.00 Uhr, hat die Bayerische Polizei 9.756 Geschwindigkeitssünder erwischt – deutlich mehr, als beim Blitzmarathon 2021 (7.036 Geschwindigkeitsverstöße). Der traurige Höchstwert wurde bei einem Autofahrer gemessen, der auf der Autobahn 995 bei Unterhaching (Polizeipräsidium Oberbayern Süd) mit 190 Stundenkilometern anstatt der erlaubten 80 gemessen wurde. Ihm drohen eine Geldbuße von 1.400 Euro, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot. „Fast 40 Prozent mehr Raser trotz tagelanger Vorankündigung zeigt: Viel zu viele scheren sich offenbar nicht um Tempolimits und gefährden sich sowie andere“, erklärte Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner. „Das ist absolut unverantwortlich!“ Die Polizei werde über den Blitzmarathon hinaus in ganz Bayern weiterhin verstärkt kontrollieren. „Das ist keine Abzocke, sondern ein Weckruf für die Verkehrssicherheit.“
Kirchner machte deutlich, dass die Einhaltung der Tempolimits unbedingt notwendig ist: „Für rund ein Viertel der Verkehrstoten auf Bayerns Straßen ist zu schnelles Fahren verantwortlich.“ 2021 wurden in Bayern insgesamt 109 Personen durch Geschwindigkeitsunfälle getötet (2021 insgesamt 443 Verkehrstote). „Die Gefahren von zu schnellem Fahren sind vielen offenbar nicht bewusst“, betonte der Innenstaatssekretär. „Daher sind Aktionen wie der Blitzmarathon unverzichtbar: Die einen nehmen die Tempolimits wieder ernster, die anderen bekommen einen kräftigen Denkzettel.“
Von den Polizeipräsidien wurden reihenweise unverantwortliche Raser gemeldet:
- Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf der BAB995 bei Unterhaching 110 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Mittelfranken auf der BAB9 Höhe Simmelsdorf 72 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Schwaben Süd/West auf einer Kreisstraße bei Erkheim 69 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Oberbayern Nord auf der BAB8 bei Sulzemoos 68 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Schwaben Nord auf der B25 bei Harburg 57 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium München auf der Ackermannstraße 55 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Oberpfalz auf der B20 53 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Oberfranken auf der Staatsstraße 2190 49 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Unterfranken auf der B19 bei Unterpleichfeld 49 km/h zu schnell
- Polizeipräsidium Niederbayern auf der B85 bei Regen 40 km/h zu schnell
Der 24-Stunden-Blitzmarathon war Teil des europaweiten ‚Speedmarathons‘, der vom europäischen Verkehrspolizei-Netzwerk ‚ROADPOL‘ koordiniert wurde. Beim neunten Bayerischen Blitzmarathon haben rund 2.000 Polizistinnen und Polizisten sowie etwa 50 Bedienstete der Gemeinden und Zweckverbände der kommunalen Verkehrsüberwachung 24 Stunden verstärkt die Geschwindigkeit an rund 2.200 möglichen Messstellen in ganz Bayern kontrolliert. Besonders im Visier waren Unfallschwerpunkte auf Landstraßen und Abschnitte, auf denen oft zu schnell gefahren wird. Ziel war, alle Verkehrsteilnehmer aufzurütteln, sich dauerhaft an die Geschwindigkeitslimits zu halten. Es ging beim Blitzmarathon nicht darum, möglichst viele Bußgelder einzunehmen.
Ergebnis des „24-Stunden-Blitzmarathons“ im Bereich des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West – Mehr Verstöße als letztes Jahr
Die Beamtinnen und Beamten im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West beanstandeten 650 Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführer. Ein Mann überschritt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um 69 km/h.
Insgesamt beteiligten sich mehr als 230 Polizeibeamtinnen und Beamten an den Messungen an mehr als 100 Kontrollstellen, die im Zeitraum von 24 Stunden stattfanden. Dabei maßen sie mehr als 34.500 Fahrzeuge. Von diesen Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführer beanstandeten sie 650.
2021 beim Blitzmarathon verzichtete die Polizei pandemiebedingt überwiegend auf Messungen mit sofortiger Anhaltung, sie überwachten letztes Jahr rund 25.000 Fahrzeuge und stellten bei etwa 450 Verkehrsteilnehmern eine überhöhte Geschwindigkeit fest.
Ein Großteil der Verstöße ahndeten die Beamten nur mit einem Verwarngeld, mehrere der Verkehrssünder müssen aber mit Bußgeldanzeigen oder sogar mit Fahrverboten rechnen. Die größte Überschreitung stellten Beamte im Landkreis Unterallgäu auf einer Kreisstraße bei Erkheim fest. Dort überschritt ein 68-jähriger Mann mit einem Fahrzeug mit mehr als 300 PS die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf gerader Strecke um gemessene 72 km/h. Nach Abzug der Toleranz werfen die Beamten ihm eine Überschreitung um 69 km/h vor. Dazu befragt, gab er an, die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit „nicht wahrgenommen“ zu haben.
Der bundeseinheitliche Bußgeldkatalog sieht für einen solchen Verkehrsverstoß ein zweimonatiges Fahrverbot und ein Bußgeld in Höhe von 1.200 Euro vor.
Neben der Überwachung der Geschwindigkeit legten die Beamtinnen und Beamten auch Wert auf die Ahndung weiterer Verstöße. So erstatteten sie in drei Fällen Strafanzeigen wegen Trunkenheit im Verkehr, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Fahrens ohne gültige Pflichtversicherung. Insgesamt 80 Anzeigen, darunter beispielsweise Überhol- und Ladungssicherungsverstöße, erstatteten die Beamtinnen und Beamten zusätzlich.
Dr. Dominikus Stadler, Leiter der Abteilung Einsatz des Polizeipräsidiums, zum Ergebnis: „Die Auswertung der Unfallursachen zeigt jedes Jahr aufs Neue: Die überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit ist eine der Hauptunfallursachen, gerade im Bereich der Verkehrsunfälle mit schwerverletzten oder getöteten Menschen.“ Für eine Verharmlosung der Geschwindigkeitsverstöße hat er kein Verständnis: „Rasen tötet! Die gemessenen Übertretungen zeigen deutlich, dass manche Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer den Straßenverkehr als Bereich ohne Regeln auffassen. Wir werden weiterhin flächendeckend Geschwindigkeitskontrollen durchführen und Verstöße konsequent ahnden“, kündigt er weitere Messungen an.
Weitere Informationen zum Verkehrssicherheitsprogramm 2030 unter https://www.sichermobil.bayern.de/
Region Ulm, Göppingen, Biberach und Ulm – Bilanz Speedmarathon
1476 Fahrer musste das Polizeipräsidium Ulm, in den Bereichen Ulm, Göppingen, Biberach und Heidenheim) in seinem Zuständigkeitsbereich wegen zu schnellen Fahrens beanstanden.
Überhöhte Geschwindigkeit ist bei schweren Verkehrsunfällen ist weiterhin nach wie vor die Unfallursache Nummer eins. Mit Verkehrssicherheitsaktionen wie dem Speedmarathon wollen Polizei, Kommunen und Landratsämter diese Unfallursache bekämpfen und ein Umdenken bewirken. An insgesamt 73 Kontrollstellen führte die Polizei in der Region Geschwindigkeitsmessungen durch. Von 37.371 Fahrzeugen fuhren 1476 zu schnell. 920 Fahrer kommen mit einer Verwarnung davon, das heißt sie überschritten die zulässige Geschwindigkeit um nicht mehr als 20 km/h. Ein Bußgeld in Höhe von mindestens 100 Euro und Punkte im Zentralregister erwartet 556 Fahrer. 26 Fahrzeuglenker müssen mit Fahrverboten rechnen. Neben den Geschwindigkeitsverstößen deckte die Polizei zwei Fahrten unter Alkoholeinfluss und zwei Fahrten unter Drogenbeeinflussung auf. Darüber hinaus benutzten 16 Fahrzeuglenker ihr Mobiltelefon und 10 Fahrzeuglenker waren nicht angeschnallt. Das Polizeipräsidium wird Geschwindigkeitskontrollen schwerpunktmäßig und flächendeckend auch zukünftig durchführen.



