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Symbolfoto: congerdesign - Pixabay

Ulm: Im Spint einer jungen Krankenschwester wurde mit Morphin versetzte Muttermilch gefunden

Die Staatsanwaltschaft sieht nach derzeitigem Stand keine Mordmerkmale bei der Tat in der Uniklinik Ulm, bei der eine junge Krankenschwester fünf Frühgeborenen auf der Säuglingsstation Morphin verabreicht haben soll.

Frühgebohrene waren zwischen 1 Tag und 5 Wochen alt
In den frühen Morgenstunden des 20.12.2019 litten fünf in einem Zimmer in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm untergebrachte Frühgeborene nahezu zeitgleich an lebensbedrohlichen Atemproblemen, die glücklicherweise dank des sofortigen Eingreifens des Krankenhauspersonals, bei dem weitere Ärzte zugezogen wurden, nach derzeitiger ärztlicher Einschätzung folgenlos geblieben sind. Jedoch bestand ein akuter lebensbedrohlicher Zustand, da Morphin ein stark wirkendes Opiat ist und Depressiv auf die Atmung wirkt, also ein Atemstillstand droht.

Als Ursache wurde zunächst eine Infektion vermutet, welche nach Vorliegen der Ergebnisse der Urinuntersuchungen jedoch ausgeschlossen werden konnte. Allerdings wurden in Urinproben aller Kinder Rückstände von Morphin festgestellt. Da jedenfalls zwei der Kinder im Rahmen der Notfallversorgung kein Morphin verabreicht worden war, wandte sich die Leitung des Universitätsklinikums Ulm nach Bekanntwerden der Untersuchungsergebnisse am 17.01.2020 an die Polizei.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben daraufhin die Ermittlungen aufgenommen, im Universitätsklinikum erste Ermittlungen durchgeführt und Behandlungsunterlagen sowie das Betäubungsmittelbuch erhoben, welche derzeit ausgewertet werden. Es wurde eine 35-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Auf Anordnung des Amtsgerichts Ulm wurden am Vormittag des 28.01.2020, zeitgleich verschiedene Durchsuchungsmaßnahmen in sechs Objekten bei Personen durchgeführt, die im fraglichen Zeitraum Dienst auf der Frühgeborenenstation Nachtschicht hatten. Auch die Personen wurden befragt. Zu den Durchsuchungsmaßnahmen zählte auch die Nachschau in den Spinten der Personen der besagten Nachtschicht. Hier wurde in einem Spind in der Umkleide des Klinikums eine Spritze mit Muttermilch gefunden, die nach den ersten Ergebnissen der kriminaltechnischen Untersuchung im Landeskriminalamt Baden-Württemberg Morphin enthält.

Krankenschwester in U-Haft
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm wird die Krankenschwester, welcher der fragliche Spind zugeteilt ist, heute Nachmittag dem Haftrichter des Amtsgerichts Ulm mit dem Antrag, Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Totschlags in 5 Fällen zu erlassen, vorgeführt. Der Haftbefehl wurde vollzogen.

Ermittlungen stehen am Anfang
Die weiteren Ermittlungen müssen nun unter anderem ergeben, ob die Tatverdächtige tatsächlich für die Tat verantwortlich ist, oder ein dritter hier eine falsche Spur legt. Ebenso die Beweggründe für die Tat. Auch werden frühere Auffälligkeiten und Todesfälle genau geprüft werden. Die Ermittlungen stehen am Anfang, wie Polizei und Staatsanwaltschaft betonen.

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