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Günzburg: Schüler „sitzt“ dank Avatar virtuell mit im Klassenzimmer

Ein Avatar ermöglicht einem Schüler der Dominikus-Zimmermann-Realschule in Günzburg am Unterricht teilzunehmen

In einem Klassenzimmer der Dominikus-Zimmermann-Realschule in Günzburg gibt es einen ganz besonderen „Schüler“. Er ist gerade mal 27 Zentimeter groß und hat ein Gewicht von 1,5 Kilogramm. AV1 heißt der kleine Avatar. Er ist die Stimme, die Augen und die Ohren für einen Fünftklässler, der aufgrund einer schweren Erkrankung in diesem Schuljahr noch keinen einzigen Tag seine Schule besuchen konnte. Der Avatar ermöglicht ihm, dennoch am Unterricht teilzunehmen und vor allem auch mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern in Kontakt zu bleiben. Damit der Sitzplatz im Klassenzimmer nicht länger leer bleibt, hat dort nun der Avatar Platz genommen.

Während der Avatar im Klassenzimmer präsent ist, kann sich der Schüler von zuhause aus mit dem Avatar verbinden. Der AV1 hat eine eingebaute Kamera und ein Mikrofon, um per Live-Stream den Präsenzunterricht zu übertragen. Über eine App auf dem Tablet kann der Schüler den Avatar steuern. Wenn der Schüler „die Hand hebt”, beginnen zum Bespiel die oberen Lichter zu blinken. Mit seinen Augen kann der Avatar auch Gefühle ausdrücken: So erkennen die Lehrkräfte oder die Mitschülerinnen und Mitschüler sofort an einem fragenden oder zufriedenen Blick, wie es dem erkrankten Jungen, der nicht selbst im Klassenzimmer sein kann, gerade geht. Der Kopf des Avatars kann nicht nur nach links und rechts gedreht werden. Auch der Blick nach oben und unten ist möglich: So kann der Schüler sowohl in einem Buch lesen, das auf dem Pult liegt, als auch an die Tafel blicken, wenn der Lehrer dort den neuen Unterrichtsstoff erklärt.

„Der Avatar ist jeden Tag im Unterricht im Einsatz“, sagt Schulleiter Oliver Wahl. Es gibt jede Woche ein wechselndes Mitschülerteam in der Klasse, das den Avatar z. B. mit in die Pause nimmt oder vom Klassenzimmer in einen Fachraum bringt. Der Schüler, der den Avatar nutzt, ist jeden Tag online und verfolgt vor allem in den Hauptfächern den Unterricht.

„Was mich sehr freut ist, dass die Klasse in der Pause mit dem Schüler über den Avatar locker unterhalten. Wir sehen, dass der Schüler trotz der schweren Erkrankung von zu Hause oder der Klinik aus Teil der Klasse ist. Die Anbindung an die Klasse und an die Schule ist für uns in der Situation der wesentliche Punkt bei dem Avatar, so dass der Schüler soweit es geht Normalität verspürt.“

Wie wurde der Avatar finanziert?
Der Landkreis Günzburg hat die Kosten für den Avatar in Höhe von circa 4.000 Euro komplett übernommen. Für den Avatar gibt es eine Förderung des Freistaats Bayern. Nach der Genesung des Schülers kann der Avatar für andere Schülerinnen und Schüler zum Einsatz kommen. „Natürlich wäre es viel schöner, wenn der Schüler selbst hier sitzen könnte. Leider ist das nicht möglich. Aber mithilfe des Avatars ist er dennoch im Unterricht dabei. Ich freue mich, dass wir ihm das ermöglichen können.“, sagt Landrat Hans Reichhart.

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