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Jung und Alt in einer Mehrgenerationen-WG für mehr Lebensqualität

Wie kann ein Zusammenleben verschiedener Menschen unterschiedlichen Alters unter einem Dach in allen Fassetten aussehen? Ist das, was in Hochwang entsteht, ein vorbildliches Projekt um Menschen zusammenzubringen, die nach Gemeinschaft und Halt suchen?

Die Mitmenschen standen bei Andrea Berchtold eigentlich schon immer im Mittelpunkt. Ihr Werdegang startete in der Fachklinik Ichenhausen. 1999 wechselte sie dann zum Bayerischen Roten Kreuz und erlebte dort Schönes und Belastendes in den 20 Jahren, in denen sie dort im Rettungsdienst tätig war. Im Jahr 2006 gründete sie den Kriseninterventionsdienst des BRK für den Landkreis Günzburg und prägte diesen nachhaltig, dessen Leitung sie diese Woche abgab. Zeitgleich absolvierte sie die Ausbildung zur Hypnosetherapeutin. Nachdem Berchtold 2019 dann die Leitung der Demenz Wohngemeinschaft in Offingen übernommen hatte, sah sie sich mit zahlreichen Anfragen von meist jüngeren Menschen nach einer Wohnform konfrontiert, die gleich welchen Alters, noch mehr Lebensqualität in einer Gemeinschaft bietet für Personen, die keine Pflege benötigen.

In der 56-Jährigen reiften die Gedanken an einer solchen Wohnform nach und nach und so entstand die Idee, nach einem alten Bauernhof zu schauen, wo junge und ältere Menschen zusammen unter einem Dach in einer Wohngemeinschaft leben können. Mit Gemeinschaftsräumen und den eigenen Zimmern als Rückzugsort. Das Zusammenleben, u.a. auch mit gemeinsamen Aktivitäten, schützt vor Einsamkeit und bringt neuen Lebenssinn. Dinge, die einem allein zu schwer erscheinen, oder in denen man nicht so richtig klar kommt, sind beim Zusammenwirken plötzlich viel einfacher. Wenn dann noch Tiere ins Spiel kommen, die auch versorgt werden müssen, steigt unweigerlich die Qualität des eigenen ICH‘S und in der Folge des gemeinsamen WIR.

Berchtold machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Hof, was sich schwierig gestaltete. Das Angebot solcher Immobilien ist rar und der Preis meist zu hoch. Ein glücklicher Umstand führte dazu, dass bei der Suche nach einem geeigneten Hof ein Erfolg verzeichnet werden konnte. Peter Schmid, Inhaber der Firma PKS Holzbau war in ihrem Wohnhaus in Hochwang tätig und im Gespräch stellte sich heraus, dass nur wenige Hausnummern entfernt ein ehemaliger Bauernhof ist, der nach dem Tod des Besitzers Metzger Fredl, leer stand und von ihm zur Lagerung von Holz gepachtet wurde. Da der Hof zum Verkauf stand, der Zustand des Hauses in Ordnung und Schmid von den Plänen einer solchen WG ebenfalls begeistert war, erwarb er das Anwesen als privater Investor und vermietet es nun an Berchtold. In dem Bauernhaus wohnte zuletzt „Metzger Fredl“. So fand sich der Name des etwa 140 Jahre alten und damit wohl das älteste noch stehende Gebäudes, der nun „Fredlhof“ heißt. Schmid hat bereits viel Arbeit in den Fredlhof gesteckt und will auch zukünftig kräftig mit anpacken.

Gerade ist man dabei, mit vielen helfenden Händen die Räumlichkeiten zu renovieren, um künftig max. 12 Personen in insgesamt drei bis vier Einzelzimmern und vier Doppelzimmern, jeweils mit einem kleinen Bad ausgestattet, Platz zu bieten. Es entsteht zudem eine komplett neu eingerichtete Wohnküche eine abgetrennte Vereinsküche und ein großer Waschraum, um die Wäsche zu machen. Ebenso wird eine Terrasse gebaut, die auch vom Koch- und Essbereich aus erreichbar ist. In einem weiteren Raum, im hinteren Bereich der Räumlichkeiten, steht bereits ein Kessel. Hier wird eine Wurstküche entstehen, um dort die Tiere zu schlachten, welche auf dem Anwesen gehalten werden. Derzeit sind dort 15 Hühner, 10 Enten und drei Puten zu finden. Wenn die Enten geschlachtet sind, werden zwei Ziegen beschafft. Die nötige Versorgung und der Umgang mit den Tieren können eine therapeutische Wirkung haben. Aus Backsteinen wurde ebenso bereits ein Brotbackofen gebaut, es gibt auch einen Brotbackraum. Daneben entsteht auch eine Werkstatt, um sich dort handwerklich beschäftigen zu können. Im Außenbereich werden auch Hochbeete entstehen. Um das Miteinander zu beleben, soll es täglich ein Programm geben. Dieses wird dann in einem Schaukasten an der Straße aushängen, damit sich auch Interessenten beteiligen können und damit das Dorfleben aufgefrischt wird. Ob nun beim Sauerkraut stampfen, Marmelade einkochen oder Pizza backen.

Unterstützt durch den Fredlhof-Verein, der gerade in seiner Gründung steht, werden gemeinsame Projekte umgesetzt. Jeder ist eingeladen, aktiv oder passiv dem Verein beizutreten. Der Verein soll die Bewohner unterstützen, ihnen zur Seite stehen und mit den Bewohnern zusammen Projekte auf die Beine zu stellen. Eine Internetseite ist gerade am Entstehen.

Den Bewohnern wird auch bei Alltagsangelegenheiten geholfen und sie entscheiden dabei selbst, wie weit die Unterstützung geht. Sie sollen sich wohl, selbstbestimmt und mit den eigenen mitgebrachten Möbeln zuhause fühlen.

Wenn es um die Kosten geht, sollen diese für jeden tragbar sein und bewegen sich bei etwa 50 Prozent von denen eines Heimplatzes. Damit werden dann die Kosten für Versicherung, Essen, Trinken, Ausflüge, Brotteig- und Wurstmaschinen, WLAN, der Hausnotruf und weiteres mehr gedeckt. Es steht zudem ein Kleinbus mit 9-Sitzplätzen für Einkäufe und Ausflüge zur Verfügung, womit die Kosten für ein eigenes Fahrzeug gespart werden können. Was nicht angeboten werden kann ist eine Pflege. Bei Bedarf kann die Sozialstation hinzugezogen werden.

Am heutigen Freitag, 17. September 2021. wurde dann zu einem „symbolischer Spatenstich“ geladen. Symbolisch deshalb, da der Startschuss ja bereits stattfand und die Arbeiten schon im Gange sind. Unter den Gästen war auch der Landrat des Landkreis Günzburg Herr Hans Reichhart. „Es ist ein tolles Projekt, weil es verschiedene Herausforderungen, die wir aktuell haben, zusammenbringt. Zum Einem, wie gehen wir mit landwirtschaftlichem Anwesen um, welche nach einer neuen Nutzung suchen und zum Anderen, wie schaffen wir es, dass ein wirklich wohnortnahes Leben im Alter möglich ist. Dieses Projekt bringt beides zusammen.“, so Reichhart. Er glaubt, dass wenn es mal zum Laufen kommt, es auch eine große Strahlkraft in andere Ortschaften haben kann.

Robert Stobel, 1. Bürgermeister der Stadt Ichenhausen hat sich gefreut, als er das erste Mal von dem Vorhaben erfahren hat und findet es eine wunderbare Folgenutzung des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens und das auch noch mitten in Ort. Er hofft auf Nachahmer im ganzen Landkreis. Weiter weiß er zu berichten, dass es beim Bauantrag im Stadtrat allesamt positive Wortmeldungen gab und der Antrag einstimmig befürwortet wurde. Strobel führt weiter aus, dass es toll ist, dass der Investor Herr Schmid und die Betreiberin Frau Berchtold andererseits, beide aus Hochwang sind, sich hier zu diesem Projekt gefunden haben.

Pater Joachim von der Pfarrgemeinde Ichenhausen sprach dazu noch seinen Segen für die Renovierung und Arbeiten aus, der mit einem gemeinsamen Gebet besiegelt wurde.

Sie möchten unterstützten, helfen oder zum dort Wohnen Kontakt aufnehmen?
Unterstützen kann man das Projekt durch den Beitritt zum Fredl-Verein, durch helfende Hände, durch Geld- und Sachspenden.

Andreas Berchtold bedankt sich ausdrücklich bei allen, die sie bisher bei diesem Projekt durch die Spendenbereitschaft mit Geld- oder Sachspenden unterstützt haben und noch unterstützen werden. und die helfenden Hände.

Läuft alles wie geplant, ist mit der Fertigstellung im Frühjahr 2022 zu rechnen.

Kontakt:
Telefonnummer 0152/53118315
Mail: [email protected] und [email protected]

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