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Studie: LGBTQI häufiger psychisch und körperlich krank

Berlin (dts Nachrichtenagentur)

Queere Menschen leiden im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich häufiger unter bestimmten stressbedingten psychischen und körperlichen Krankheiten wie zum Beispiel Depressionen und Herzleiden.
Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben) berichten. Hintergrund sind demnach die Diskriminierungserfahrungen, die diese Gruppe macht.

Wissenschaftler haben für die Untersuchung Daten des Sozio-ökonomischen Panels, einer Wiederholungsbefragung von Privathaushalten, und einer Online-Befragung ausgewertet. Dabei zeigen sich je nach sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität deutliche Unterschiede: So wurde bei 26 Prozent der Befragten aus der LGBTQI-Gemeinschaft schon einmal eine depressive Erkrankung diagnostiziert. Bei jenen, die heterosexuell sind und sich zudem mit dem Geschlecht identifizieren, dem sie bei der Geburt zugeordnet wurden, waren es dagegen nur knapp zehn Prozent.

Unter Schlafstörungen leiden demnach rund 15 Prozent der queeren Befragten, unter Burn-out knapp acht Prozent. Die Anteile liegen damit im Vergleich doppelt und fast dreifach so hoch wie in der Vergleichsgruppe. Von Einsamkeit berichten queere Befragte ebenfalls fast doppelt so häufig wie hetero- und „cissexuelle“ Befragte.

Besonders transgeschlechtliche Personen haben häufig mit psychischen Problemen zu kämpfen: Während unter queeren Menschen insgesamt knapp jede zehnte befragte Person von Angststörungen berichtete, lag dieser Anteil in der Untergruppe der transgeschlechtlichen Befragten bei 39 Prozent. Der Anteil derer, die von Essstörungen betroffen sind, war in dieser Gruppe dreimal so hoch wie im Durchschnitt der queeren Menschen. Auch an bestimmten stressbedingten körperlichen Leiden erkranken queere Menschen demnach öfter als andere.

So berichteten sie in den Befragungen fast doppelt so oft von Herzkrankheiten und Migräne wie die Vergleichsgruppe. 2019, so die DIW-Studie, war der Anteil von LGBTQI-Menschen, die länger als sechs Wochen krankgeschrieben waren, fast doppelt so hoch wie unter heterosexuellen Personen. Die Autorinnen und Autoren führen die Unterschiede zurück auf den Stress, den Betroffene durch Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt seien: Die Studie schlage eine Brücke zwischen bekannten Forschungsergebnissen, heißt es vom DIW. Auf der einen Seite sei erwiesen, dass Diskriminierung die psychische und körperliche Gesundheit beeinträchtigen kann. Andererseits würden weitere Studien belegen, dass LGBTQI-Menschen in vielen Lebenssituationen Ablehnung und Diskriminierung ausgesetzt sind. Soziologin Mirjam Fischer, eine der Autorinnen, sagte den Funke-Zeitungen, die Studie bestätige belastbar für Deutschland, was internationale Forschung bereits gezeigt habe. Die Abkürzung LGBTQI kommt aus dem englischsprachigen Raum und steht für „lesbian, gay, bisexual, trans, queer und inter“ – also lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche, queere und intersexuelle Menschen. Die Gruppe umfasst alle, die nicht heterosexuell sind und/oder sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlen, dem sie bei Geburt zugeordnet wurden. Auch Menschen, die sich einem weiteren oder gar keinem Geschlecht zugehörig fühlen, schließt sie ein.

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